Es war wieder ein kurze Nacht. Bereits um 06:15 wurde unser Gepäck – getrennt nach all-week-long und dem Rest – in die Trucks geladen. Vorher musste aber alles, was man während der Rennwoche brauchen würde, in die BCBR-Bags umgepackt werden. Also Klamotten, Schlafsack, etc. Der Rest würde dann zusammen mit dem Bike-Bag unzugänglich aufbewahrt. Dann gibt es noch den Sack für die Wechselsachen zwischen Zieleinlauf und Basecamp.
Der Start um 0900 lief sehr professionell und entspannt. Separiert in Reihen von je drei Fahrern ging es auf die Strecke. Die Stimmung war sehr gut, obwohl es schön regnete. Ich war mit zwei anderen Deutschen unterwegs. Nach ca. 3 Kilometern ging es dann auf den timed track. Nur dieser Streckenabschnitt wurde gemessen und das Ergebnis würde die Grundlage der Klassifizierung sein. Die Strecke war mir ja nun bestens vertraut, so dass ich eine Menge Leute berghoch überholen konnte. Im Descent wurde ich nur von Mister America überholt. Ein schräger Typ, komplett in Stars and Stripes gehüllt – sonst nichts. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Platz 210 von knapp 600. Zumal ich wirklich nur 80% und ohne Risiko gefahren bin. Morgen geht es dann richtig los. Mittlerweile sind wir nach mehreren Busfahrten und einer zweistündigen Fährfahrt im Basecamp in Cowichan Valley angekommen. Wooha.
Glaubt mir, ich hab echt (!) nix (!) gemacht. Torsten, Thomas, ich und ein paar andere wollten nur mal schnell die Prologue-Strecke erkunden. Berghoch geht es schon mal gut zur Sache, aber die Böden sind in einem guten Zustand. Angefeuchtet, aber nicht nass.
Tja, bergab ist das dann schon eher Enduro-Niveau. Trotzdem bin ich doch sehr überrascht vom Ausgang dieser Mini-Abfahrt. Wollte einen Drop fahren, bin dann aber in eine Rinne gekommen und hab mich zwischen ein paar Rocks verkantet. Ein blöde, seltene, unglückliche Kombination. Ich war auch echt nicht schnell, die anderen waren zum Großteil schon unten.
Better today than tomorrow
Keine 5 Minuten später kam eine junggebliebene Kanadierin auf ihrem Bike und hat mir Hilfe angeboten. Mit ihrem Truck hat sie mich eingesammelt und Richtung Hotel gebracht. Thank you Ma’am! Jetzt muss ich erstmal schnell zu den Jungs von Obsession Bikes. Die kriegen alles wieder fit.
Nachtrag: Neue Felge, 240CAD, alles wieder fein. Bin die Strecke noch zwei mal gefahren. Das passt schon. Auf dem Weg zu noch mehr Awesomeness 😉 Euer Svensson
Bevor ich mein brandneues STEVENS Jura Carbon SL ausgiebig einfahren kann, muss es auch schon wieder eingepackt werden. Ein gutes Nachmach-Video zum Bike Traveln habe ich hier gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=u9Y6QylKPng
Ich habe leider nur das klassische evoc bike travel bag , das für 29″ etwas knapp ist. Aber es passt alles rein. Luftdruck von den Reifen muss etwas runter, aber nicht ganz – sonst hat man die Milch im Sack. Grrrr…
Bike auspacken und wieder aufbauen dauert ca. 30min. – und ab geht die Post….
Heute waren Olaf und ich in den Harburger Bergen (HBs) unterwegs. Alle Nicht-Norddeutschen mögen jetzt vielleicht schmunzeln, denn die höchste Erhebung – der Hasselbrack – wird bei Wikipedia mit gerade einmal 116,2m über NHN erwähnt.
Aber das Bike-Revier südlich der Elbe hat echt eine Menge zu bieten. Na klar, es ist nicht der Schwarzwald, trotzdem gibt es auf relativ überschaubarem Gebiet komprimiert jede Menge Trails und alle nötigen Gemeinheiten. Steile Anstiege auf Sand oder Wurzeluntergrund. Downhills durch Hohlwege mit großen Sprüngen, ein paar gebauten Rampen und Drops. Einer geht sogar direkt über eine Betonmauer 1,5 Meter tief ins Nichts. 🙂
Heute wollte ich das STEVENS Jura Carbon ES intensiver als die letzten Tage rannehmen. Es hatte kurz vorher geregnet, so dass wir zwar keinen Matsch, aber feuchte Untergründe hatten- also gute Allround-Bedingungen.
Mich haben einerseits nochmal die Reifen interessiert. Und dann aber auch Gabel und Dämpfer. Um es gleich vorweg zu nehmen, es ist ein Hochgenuss, dieses tolle Material zu fahren. Alles funktioniert, wie und wann es soll und das nimmt einem richtig Arbeit. Vor allem das Fahren mit dem Dämpfer ist für mich eine tolle neue Erfahrung. So ein Hinterbau ist echt nützlich. Beim Springen, beim Droppen, auf der Geraden… sogar beim Klettern. Ein Fully gibt einfach Ruhe, Stabilität und Sicherheit. Ich möchte mein Hardtail so schnell nicht zurück.
Die Reifen sind die eigentlichen Arbeiter und machen im wahrsten Sinne des Wortes die Drecksarbeit. Ob Teer, Sand, Matsch, nadelweicher Waldweg oder Wurzelpassagen – über alles müssen die Pneus als erstes. Am Ende einer schnellen Abfahrt war ich dermaßen vom Grip fasziniert, dass es mich richtig zerlegt hat. Die Abfahrt lief in einer langen Linkskurve mit Erd- und Wiesenuntergrund aus. Ich konnte meine Augen nicht vom Vorderreifen lösen, der trotz Schräglage artig seine Arbeit tat. Wow! Dann ging alles ganz schnell. Mit voller Wucht fuhr ich frontal in eine Bank (Stirnseite), die wartend am Wegesrand stand. Da ich noch etwas Rücklage hatte, flog ich nur seitlich und ohne Salto vom Rad. Das Verrückte ist: Den ganzen Aufprall hat der Vorderreifen abgefangen. Es gab noch nicht mal einen Durchschlag und dank tubeless keinen Platten.
Und wieder einmal hatte ich Glück im Unglück. Letztendlich war es ein Fahrfehler durch mangelnde Konzentration bei nicht angepasster Geschwindigkeit.
Momentan passiert so viel, da komme ich mit dem Bloggen kaum hinterher.
Ich bin in diesen Tagen viel mit dem „neuen“ Rad unterwegs und teste alles auf Herz und Nieren. Ein großes und wichtiges Thema ist die richtige Bereifung. Hier gilt es einen Kompromiss aus Sicherheit (Grip) und Gewicht (Speed) zu finden.
Vom BCBR gab es eine Empfehlung, der bin ich stumpf gefolgt. 1) Go tubeless! 2) Front: Maxxis Minion DHR II (2.3) 3) Back: Maxxis Ikon (2.2)
Klares Fazit nach drei Trainings: Alter Schwede! Don’t make me think. Die Reifen kleben am Boden und machen einfach nur Spaß. Schnell sind sie aber auch. Und das für mich Krasseste: Alles ohne Schläuche. Magic! 👍
Der Canada-Countdown zählt jetzt gnadenlos runter und ich habe noch ein paar Hausaufgaben offen. Ich muss endlich Mountainbike fahren. Deshalb wollte ich mir heute noch ein letztes (ein allerletztes) mal eine lange Runde auf der Straße geben.
Um zwölf Uhr bin ich los. Fürs Mittagessen hatte die Zeit nicht mehr gereich, denn ich war heiß auf mein noch immer neues Rennrad und den neuen Wahoo Elemnt. 🙂 Die ersten 40km sind mittlerweile feste Routine und ich nutze jedes Training, die einzelnen Segmente noch schneller zu fahren. Bis Bad Segeberg ging es auch noch sehr zügig vorwärts, aber dann.. Aber dann wurde es sehr langsam und kleinteilig. Ich konnte einfach nicht die optimale Route nach Lübeck finden. Ein neuer Kurs birgt immer Gefahren, sich den Schnitt kaputt und die Beine dick zu fahren. Anhalten. Standort checken. Netz suchen. Leute fragen. Fluchen. Weiter fahren. Irgendwann war ich dann an der Lübecker Stadtgrenze. Kurz darauf durfte ich mich über zwei Platten freuen. Der Hunger machte sich ebenfalls bemerkbar. Yeah! Genau so eine Tour hatte ich ja gewollt. Mit wie wenig würde ich durchkommen?
Mit einem absoluten Notschlauch, 3,5 Bar und einem Riegel bin ich tapfer auf die zweite Hälfte der Strecke. Und siehe da, es lief besser, als ich erwartet hatte. Wieder zurück in Hamburg gab es kurzzeitig etwas Thermik mit zwei Harleys vom Chapter Hamburg. Sie knatterten großzügig und gemütlich nebeneinander und wollten mich nicht vorbeilassen. Auf so etwas reagiere ich ja allergisch. Also bin ich mit knapp 40 auf den Randstreifen gesprungen und hab auf dem Radweg überholt. Hehe..
Nach ziemlich genau fünf Stunden und 150km war ich wieder zuhause. Puuuh.
Ein Mountainbike-Marathon mit einer Strecke von 70km und 1.800hm sollte doch machbar und die beste Möglichkeit sein, seine – also meine – aktuelle Form zu testen.
Vorgestellt hatte ich mir eine Platzierung unter den ersten 15. Als dann Punkt neun der Startschuss fiel, wurde ich im Wortsinn schnell eines Besseren belehrt. Sobald wir die Stadionrunde hinter uns hatten, ging es mit hohen Tempo los. Die ersten Kilometer mussten wir gnadenlos hoch, hoch und weiter hoch. Die Böden waren schön aufgeweicht und die Temperatur lag bei 1 oder 2 Grad. Die Jungs um mich herum schien das nicht zu stören. Mir aber war kalt, sehr kalt. Ich brauche immer ca. eine Halbe-/Dreiviertelstunde, bis die Aggregate einigermaßen hochgefahren sind. Dafür war es heute definitiv zu spät. Gefühlt alle fuhren an mir vorbei- das war echt grausam. Eine weitere Tatsache war, dass ich zu wenig gefrühstückt hatte und der Magen schon jetzt rebellierte. Als Ergebnis fühlten sich meine Beine wie Gummi an.
Was passierte hier? Wo war der ganze Druck hin?
Nach der ersten Schiebepassage hoch zum Steinbergsee fühlte ich mich so gedemütigt, dass ich kurz vorm Aufhören war. Der Puls kam einfach nicht zur Ruhe und mir war kotzübel. Zum Glück kamen dann ein paar mörderisch geniale Abfahrten und ich konnte wieder einige Plätze gutmachen. Nichtsdestotrotz blieb es dabei, dass ich immer wieder von hinten überrollt wurde. Es folgten lange leicht ansteigende Ziehwege und so langsam wurde ich wärmer. Die Strecke war im Prinzip traumhaft und genau mein Ding, aber es wollte sich kein Flow einstellen. Und immer wieder Schnee…
Das alles erinnerte mich an die Amateurrennen in den Neunzigern. Eine hohe Leistungsdichte und jede Menge Geballer. Klar, es waren ja auch viele Lizenzfahrer am Start. Aber so eine Diskrepanz. Boah..
Halbwegs würdevoll habe ich es nach 35km zurück ins Ziel geschafft. Als der Stadionsprecher meinen Namen mit der Ankündigung ausrief, dass ich nun auf die zweite Runde gehen würde, bin ich einfach rechts rausgefahren und direkt zur Dusche. 😉 Nicht mit mir. Nicht heute. Im Nachhinein hab ich es ein bisschen bereut. Irgendwie hab ich schon gekniffen und irgendwie war ich zum Schluss ja doch warm. Jetzt weiß ich aber, welche Hausaufgaben noch zu tun sind.
Das Rennen hatte aber auch was Positives. Ich konnte auf wunderbarem Material fahren (Danke Olaf again) und weiß jetzt, dass dieser Bike-Typ für Kanada perfekt sein wird. Vor allem bergrunter war ich vielen anderen überlegen und konnte mich voll auf Reifen, Dämpfer und Bremsen verlassen. Ein völlig neues Erlebnis. Für die Kollegen mit ihren Sechseinhalb-Kilo-Hardtails war die Strecke jedenfalls nix. 🙂
Ach ja, und ich konnte meine neue GoPro unter Realbedingungen testen. Ein paar Impressionen gibt’s hier…
In zehn Wochen startet die große Party in BC und bei mir in HH ist noch einiges im Argen. Prinzipiell ist alles organisiert bzw. organisierbar. Wäre da nicht die Besonderheit, dass ich noch immer kein Bike hab.
Im Dezember hatte ich mir ja eine Trailrakete bestellt (Bike No. 7), doch leider gibt es Verzögerungen im Betriebsablauf. Letztes Jahr gab es einen Brand bei Shimano in Japan und wie es der Zufall will, wurde der Großteil der Komponenten zerstört, darunter auch meine XTR-Kurbel. 🙁 Ohne diese Kurbel kann das Bike nicht gebaut werden. K-o-t-z!
Für dieses Wochenende habe ich mir erstmal wieder Olafs Heiligtum ausgeliehen, damit ich beim Bilstein Bike Marathon starten kann. Das wird lustig. Für das STEVENS Racing Team mit einem Canyon am Start. Aber das Bike hat zumindest eine Kurbel. 🙂
Heute konnte ich daher endlich mal wieder MTB gefahren. Die Einheit war auch extrem wichtig. So ein 29″ Bolide fährt sich schon deutlich anders – besser. Aber man muss es halt mal gefahren sein. An die 12-fach Schaltung gewöhnt man sich schnell, den Shift aufs große Kettenblatt hab ich eh nie gemocht. Den Seat-dropper hab ich mehrfach ausprobiert, auch wenn Treppenfahrten nicht gerade zum klassischen Use case gehören. Mit dem Seat-dropper einher gingen natürlich auch Gabel und Dämpfer. Beide arbeiteten astrein und waren bocksteif, wenn es darauf ankam.
Als mir nach knapp 70 zornigen Kilometern ein 1er-BMW die Vorfahrt nahm, konnte ich auch noch die Bremsen testen. Es war bereits das dritte mal, dass ich in einer ähnlichen Situation war. Der mit seinem Smartphone beschäftigte Fahrer nimmt keine (!) Kenntnis von mir, ich sehe den Crash aber umso deutlicher vorher und kann mich mit einer gewissen Wut im Bauch darauf vorbereiten. Also: Hinterrad blockieren und schön in die Seiten sliden. Der Überraschungseffekt und die Beule in der Tür sind garantiert. (Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen!)